Wachauer macht viel schöner blauer (Folge 130)

Liebe WaLinauten,

der 2. Teil von meinem Österreichtrip. Dieses Mal aus dem berühmtesten Anbaugebiet des Landes. Die Wachau liegt an der Donau ca. 80 km flussaufwärts westlich von Wien und ist nur 1350 Hektar groß (klein). Hier trifft das warme Klima der ungarischen Steppe auf die kühlen Einflüsse der österreichischen Bergwälder. Die teilweise steilen terrassierten Urgesteinsböden lassen mich an die weltberühmten Lagen der Côte-Rotie südlich von Lyon denken. Ein malerischer Platz und eine der Keimzellen des „österreichischen Weinwunders“. Es ist eine der Renommierregionen, doch die Konkurrenz ist der Wachau dicht auf den Fersen und schläft schon lange nicht mehr. So manchen Wachauer Smaragd finde ich –und nicht nur ich- einfach zu fett und schwer. Zu häufig hatte ich in der Vergangenheit das Gefühl, dass es den Winzern mehr um Prestige und hohe internationale Bewertungen der Weinauguren gegangen ist, als um Frische und Finesse. Der Trend zu mastigen Weinen hat in den letzten Jahren zwar erfreulicherweise deutlich abgenommen, ist aber häufig immer noch die Realität.

Das Weingut Pichler-Krutzler verfolgt einen anderen Ansatz als viele Wachauer Topweingüter. Elisabeth und Erich keltern klare und definierte Weine mit dem erklärten Ziel, Trinkfluss zu erzeugen (wer die Basisvariante kennt, weiß was das heißt). Dabei verzichten sie bewusst auf Boytritis und lesen rechtzeitig reife, aber nicht überreife Trauben.

Beide haben das Stigma, aus renommierten Familien zu kommen und mussten sich erst einmal davon freirudern. Elisabeth ist die Tochter des berühmten Wachauer Urgestein F.X. Pichler und Erich stammt aus bestem Hause im Südburgenland. Die Krutzlers sind schon lange bekannt ihre legendären Rotweine aus der Sorte Blaufränkisch. Ihr junges Weingut gründeten sie 2006 und es bekam aufgrund der Vorgeschichte beider viel Aufmerksamkeit geschenkt.

Viel diskutiert wurde intern der mutige Schritt nicht in der hiesigen Vereinigung, der „Vinea Wachau“, vertreten zu sein. Diese Entscheidung ist nicht aus Trotz entstanden, wie einige Neider und böse Zungen unterstellen, sondern weil die beiden Charakterköpfe einen eigenen Weg gehen wollen. Die „Zuckerreife“ ist ihnen nicht so wichtig, wie perfekt ausgereiftes Lesegut und geringere Alkoholwerte.

Ich mag die präzise Art dieser Weine. Sie sind pures Trinkvergnügen und ein köstlicher Ausdruck ihrer Herkunft. Kein Powerstoff und dabei wunderbar konzentriert, bzw. eine facettenreiche klare Stilistik, die mit dem 2012er GV „Wunderburg“ Perfektion erreicht.

Aber auch die Rieslinge aus diesem Hause sind von einer feinen Subtilität geprägt und zeigen die Klasse, die ein Riesling aus der Wachau haben kann. Früher, vor dem Veltliner Boom, war es die am meisten geschätzte Rebsorte der Region. Der 2009 Blaufränkisch „Weinberg“ aus Erichs Heimat, dem Südburgenland, hätte wahrscheinlich eine perfekte Bewertung verdient. Wäre da nicht dieser hinterhältige schleichende Korkschmecker gewesen. Trotzdem ist dieser Stoff nationale Spitze und ein „Statement“ in den neuen, filigranen Dimensionen des Blaufränkisch. Eindrucksvoll!

Die beiden sind interessantes Paar wie die souveräne, aber immer auf dem „Teppich bleibende“ Gesprächsführung in diesem Video belegt. Ein Beweis dafür, dass sich der Charakter und die Vision des Winzers häufig im Wein wiederfinden. Die Pichler-Krutzler sind zwei stille, überlegt sprechende Visionäre einer neuen Winzergeneration mit eigenen Vorstellungen, die hart und vor allem mit sehr viel persönlichem Engagement an einer eigenen Handschrift arbeiten.

Wir halten bis zum „Durchbruch“ den Atem an und trinken vergnügt diese saftigen Weine.

Cheers,

Euer Hendrik

Quelle: Wein am Limit by Hendrik Thoma